Der Einsatz von Peitschen im Galopprennsport

Wie in keiner anderen Pferdesportart, hat der Galopprennsport den Einsatz der Peitsche streng geregelt. Hier erfahren Sie mehr zum Peitscheneinsatz im Galopprennsport.

von Andrea Stofer, veröffentlicht am 28.09.2016
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Die Beschaffenheit und der Einsatz der Peitsche bei Pferderennen ist genau vorgeschrieben und wird streng überwacht. Vor ein paar Jahren trat zudem eine neue Regelung in Kraft, nach der Jockeys die Hälfte ihrer Gewinnprozente abtreten müssen, wenn sie die Peitsche zu oft einsetzen. Öffentlich sind diese Strafen jedoch nicht - sie werden weder in den Rennberichten angezeigt, noch sind sie bei den Ordnungsmaßnahmen im Rennkalender aufgeführt.
Kaum wunderlich also, dass der Peitschengebrauch eines der am meisten diskutierten Punkte im Rennsport ist.

Das erwartet Sie in diesem Artikel:
  • Wie darf die Peitsche eingesetzt werden?
  • Auszug aus der Rennordnung
  • Expertenmeinungen: Werner Glanz, Michael Geitner

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Strenge Regeln zum Wohle der Pferde

Wie darf die Peitsche eingesetzt werden?

0,00 € Es gibt zwingende Anweisungen zur Beschaffenheit der Peitsche an sich und zum Peitschengebrauch innerhalb der Rennen.
Es dürfen nur sog. Shock absorbing ummantelte Peitschen zum Einsatz kommen, die an keiner Stelle schmaler als 8 mm sein dürfen. Auch darf die Peitsche nicht mehr als 5 Mal im gesamten Rennen eingesetzt werden. Vor dem eigentlichen Einsatz muss dem Pferd die Peitsche gezeigt werden: Was also aussieht, als würde der Reiter stets von vorne nach hinten durchziehen, ist der Tatsache geschuldet, dass er die Peitsche in das Sichtfeld des Pferdes führt. Danach muss er die Peitsche seitlich am Pferd entlang im Rhythmus der Galoppade einsetzen, wobei die peitschenführende Hand immer unter Schulterhöhe zu bleiben hat.
Ein reines „Draufschlagen“, das mit Schmerzen verbunden wäre, ist verboten. Es geht um die Unterstützung der vorwärtstreibenden Hilfen. Stellt die Rennleitung, die jedes Pferd- und Reiterpaar im Rennen darauf genau prüft, dennoch einen übertriebenen oder falschen Peitschengebrauch fest, so drohen dem Reiter eklatante Strafen bis hin zum Reitverbot.

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Anweisungen zum Peitschengebrauch

Auszug aus der Rennordnung

0,00 € Es gibt festgelegte Vorschriften, wie die Peitschen in einem Rennen eingesetzt werden dürfen. © Marc Rühl
Die Rennleitungen sind gehalten, Verstöße gegen die Anweisungen zum Peitschengebrauch konsequent zu ahnden.
Folgende Peitschen bzw. Reitklappen sind zugelassen:
  1. Shock absorbing ummantelte Peitschen bis zu einer Länge einschl. Klappe von max. 75 cm,
  2. Reitklappen bis zu einer Länge, einschl. Lasche, von max. 40 cm,
  3. Peitschen bzw. Reitklappen dürfen an keiner Stelle schmaler als 8 mm sein,
  4. die Klappen dürfen keine Verstärkungen oder sonstigen Veränderungen enthalten.
Peitschen bzw. Reitklappen werden anhand des Peitschenmessgerätes an der Waage überprüft.

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1. Korrekter Peitschengebrauch

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  1. Wenn dem Pferd die Peitsche vor dem eigentlichen Einsatz gezeigt wird.
  2. Wenn die Peitsche seitlich am Pferd entlang im Rhythmus mit der Galoppade des Pferdes eingesetzt wird.
  3. Wenn die peitschenführende Hand unter Schulterhöhe bleibt.
  4. Wenn die Peitsche an der Hinterhand oder mit der peitschenführenden Hand am Zügel an der Schulter eingesetzt wird.
  5. Wenn die Peitsche als Hilfsmittel eingesetzt wird, damit das Pferd gerade bleibt.

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2. Übertriebener Peitschengebrauch (Verstoß gegen Nr. 594/10 RO)

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  1. Zu häufiger Peitscheneinsatz.
  2. Schlagen von Pferden, die ihre Position nicht mehr verändern können.
  3. Schlagen eines Pferdes nach Erreichen des Zieles.
  4. Ein Pferd mit solcher Härte schlagen, daû es verletzt wird.
  5. Peitscheneinsatz auf Pferden, die dadurch nicht schneller werden.
  6. Peitscheneinsatz auf offensichtlich geschlagenen Pferden.

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3. Falscher Peitschengebrauch (Verstoß gegen Nr. 594/17 RO)

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  1. Schlagen eines Pferdes mit wilden und unkontrollierten Bewegungen, durch die das Pferd außer Balance gerät oder gestört werden kann.
  2. Einsatz der Peitsche, ohne das diese vorher gezeigt wird.
  3. Ausholen zum Schlag mit der peitschenführenden Hand über Schulterhöhe bzw. nicht seitlich entlang am Pferd.
  4. Ein Pferd auf andere Stellen zu schlagen als auf die Hinterhand oder auf die Schulter ohne die peitschenführende Hand am Zügel zu lassen, außer in einer Gefahrensituation.
  5. Schnell hintereinander folgendes Schlagen eines Pferdes über eine kurze Distanz und/oder gegen den Galopprhythmus des Pferdes.
  6. Wenn unter Einsatz der Peitsche ein Pferd die gerade Linie verlässt.
Die vorbeschriebenen Beispiele geben nicht alle Möglichkeiten eines übertriebenen Peitschengebrauchs oder eines falschen Peitschengebrauchs wieder. In allen Rennen sollte der Einsatz der Peitsche auf Pferden so gering wie eben möglich gehalten werden.

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4. Überwachung durch die Rennleitungen

0,00 € Die Rennleitungen sind angewiesen, Ermittlungen in Bezug auf den Peitscheneinsatz anzustellen, wenn ein Reiter die Peitsche zu häufig einsetzt. Als Richtzahl für zu häufigen Peitscheneinsatz gilt ein mehr als 5 maliger Peitscheneinsatz im gesamten Rennen.
Zu beachten ist, dass in den unter Nr. 2 (Übertriebener Peitschengebrauch) geschilderten Situationen auch ein Peitscheneinsatz von weniger als 5 Schlägen ein Verstoß gegen Nr. 594/10 RO darstellen kann.

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5. Überwachung durch die Rennbahntierärzte

0,00 € Die Rennbahntierärzte sind angewiesen, der Rennleitung Mitteilung zu machen,
wenn sie feststellen, dass:
  1. an einem Pferd die Auswirkungen des Peitscheneinsatzes an unzulässigen Stellen feststellbar sind,
  2. Striemen (Anschwellen der Hautoberfläche) sichtbar sind und
  3. das Pferd durch den Peitscheneinsatz verletzt wurde.

Den Auszug aus der offiziellen Rennordnung zum Thema Peitscheneinsatz/Peitschengebrauch können Sie sich hier herunterladen.

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Expertenmeinungen

Werner Glanz

Warum wird die Peitsche eingesetzt?
Zur Unterstützung und zur Begradigung der Pferde. Wenn ein Pferd in eine Richtung tendiert, wird mit der Peitsche gegengearbeitet, damit man nicht in die Spur eines anderen Pferdes gerät.

Wann wird die Peitsche eingesetzt?
Auf der Zielgeraden, solange das Pferd eine Chance hat ein Platzierung zu erreichen.

Wie oft darf sie während eines Rennens eingesetzt werden?
Maximal 5 mal. Allerdings ist es verboten die Peitsche einzusetzen, wenn ein Pferd praktisch schon als Sieger feststeht oder keine Chance mehr hat.

Hat das Pferd Schmerzen beim Peitschengebrauch?
Nein. Die Peitsche dient nur zur Unterstützung. Die Peitschen erfüllen definierte Normen und sind abgepolstert. Des Weiteren wird nur unterstützt und nicht geschlagen.

Der Peitschengebrauch soll dem Pferd nicht schaden – warum gibt es dennoch die Regeln?
Die Regeln sind dafür da, dass die Peitschen nicht übertrieben oder sogar falsch eingesetzt werden.

Mehr Informationen zu Werner Schiergen und zum Rennstall Glanz finden Sie hier.

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0,00 € Michael Geitner hat früher selbst Rennpferde trainiert.

Michael Geitner

Der bekannte und erfolgreiche Pferdetrainer Michael Geitner, der früher selbst Rennpferde trainiert hat, hält vom Peitscheneinsatz im Galopprennsport nicht viel.
"Beim Galopprennen ist die Muskulatur des Pferdes so gespannt, dass es die "Schläge" mit der Peitsche wohl kaum spüren wird."
Sein damaliges Rennpferd Monty hat auf den Peitscheneinsatz sogar gegenteilig reagiert und ist langsamer geworden, anstatt das Tempo zu erhöhen.
"Ob der Peitscheneinsatz wirklich Sinn macht, sehe ich als äußerst zweifelhaft an."
Mehr Informationen zu Michael Geitner finden Sie auf seiner Website.

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Über German Racing

GERMAN RACING ist die im Jahr 2010 gegründete Dachmarke des Galopprennsports in Deutschland mit dem Ziel der Zentralisierung aller galoppsportlichen Vermarktungen für spannende Pferderennen und stimmungsvolle Veranstaltungen auf deutschen Rennbahnen. Galopprennen sind die vom Staat gesetzlich vorgeschriebenen Leistungsprüfungen für eine erfolgsorientierte Tierzucht.
Weitere Informationen unter: www.german-racing.com.